Wachstum und Entwicklung im Einklang

Die GVB Gruppe blickt auf ein ereignisreiches Geschäftsjahr zurück. Verwaltungsratspräsident Reto Heiz und Stefan Dürig, Vorsitzender der Geschäftsleitung, über die Stärken der adjustierten Strategie, die Auswirkungen von COVID-19 und die Belastbarkeit der Mitarbeitenden.

Wie beurteilen Sie das vergangene Geschäftsjahr der Gebäudeversicherung Bern (GVB)?

Stefan Dürig: Wir dürfen auf ein eher schadenarmes Jahr zurückblicken. Mit einer Gesamtschadenssumme von 71,5 Millionen Franken fiel diese deutlich tiefer aus als 2019 (CHF 84 Mio.) und als der 10-Jahres-Schnitt (CHF 78,6 Mio.). Weil sich auch die Kapitalmärkte im Jahresverlauf erholt hatten, erwirtschafteten wir ein Kapitalanlagenergebnis von 36,3 Millionen Franken (2019: CHF 83,3 Mio.). Dank der tiefen Gesamtschadenssumme und dem guten Anlageergebnis können wir einen konsolidierten Gewinn von 7,2 Millionen Franken ausweisen. 

Reto Heiz: Dank dem guten Geschäftsresultat können wir Rückstellungen in der Höhe von 40 Millionen Franken für Überschussbeteiligungen bilden. Davon werden 35 Millionen Franken den Kunden der GVB auf die Prämienrechnung 2022 gutgeschrieben.

Wie fällt die Jahresbilanz bei den Tochtergesellschaften GVB Privatversicherungen AG und GVB Services AG aus?

Reto Heiz: Auch die GVB Privatversicherungen AG verzeichnete ein gutes Geschäftsjahr. Das Prämienwachstum entwickelte sich erfreulich und mit 30,4 Millionen Franken weist sie ebenfalls ein geringes Schadensvolumen auf. Insgesamt schliesst die GVB Privatversicherungen AG das Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 2,1 Millionen Franken ab. Etwas schwieriger gestaltete sich das Jahr für die GVB Services AG und ihren Bereich für integrale Brandschutzplanungen: Aufgrund von COVID-19 wurden zahlreiche Bauprojekte sistiert und Brandschutzprüfungen verschoben. Obwohl Umstände und Marktumfeld auch im weiteren Jahresverlauf herausfordernd blieben, hielt SafeT Swiss ihren Kurs und erfüllte die in sie gesetzten Erwartungen.

Stefan Dürig: Erfreulich ist zudem, dass der Regierungsrat im Herbst 2020 die Ausgliederung von SafeT Swiss in eine selbstständige Tochtergesellschaft der GVB genehmigt hat. Die SafeT Swiss AG ist seit dem 1. Januar 2021 operativ tätig.

Wie hat sich COVID-19 auf die Geschäftstätigkeit der GVB und ihrer Tochtergesellschaften ausgewirkt?

Stefan Dürig: COVID-19 hatte zwar kaum Einfluss auf unser Geschäftsergebnis, unseren Arbeitsalltag stellte es aber trotzdem auf den Kopf. Während des Lockdowns betreuten die Schätzungsexperten nur noch grössere Schadensfälle vor Ort. Kleinere und mittlere Schäden wurden telefonisch oder digital abgewickelt. Gebäudeschätzungen wurden komplett eingestellt. Auch die Kundenberater verzichteten während des Lockdowns auf persönliche Beratungen und boten dafür Videoberatungen an. Dass wir es schafften, uns so schnell auf neue Arbeitsformen einzulassen und den Betrieb ohne Unterbrechung aufrechtzuerhalten, macht mich sehr stolz und bestätigt mir, was Ex-Kanzler Helmut Schmidt einmal gesagt hatte: «In der Krise zeigt sich der Charakter.» Heute arbeiten viele Mitarbeitende ganz selbstverständlich im Homeoffice und Sitzungen werden digital durchgeführt.

Was hat Sie 2020 am meisten beschäftigt? 

Stefan Dürig: Mir war es ein grosses Anliegen, all unsere Tätigkeiten zu überprüfen und den Rahmenbedingungen anzupassen. Basierend darauf definierten wir eine neue Vision, die uns anzeigt, wo wir bis 2030 als Gruppe hinwollen. Unser Ziel ist es, die selbstverständliche Partnerin rund ums Sichern und Versichern von Gebäuden zu sein. Parallel dazu adjustierten wir die bestehende Unternehmensstrategie und verkürzten überdies die Strategieperioden. Bisher waren sie auf fünf Jahre festgelegt, neu umfassen sie drei Jahre. Die Welt dreht sich schneller und dieser Tatsache tragen wir damit Rechnung.

Reto Heiz: Im Rahmen der Überprüfung haben wir uns im Verwaltungsrat zusammen mit unserer Eignerin, der Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion des Kantons Bern, entschieden, zwei Projekte zu stoppen. Für uns steht die enorme Verantwortung im Zentrum, welche die GVB als öffentlich-rechtliches Unternehmen mit einem kantonalen Auftrag innehat. 

Wie wollen Sie «die selbstverständliche Partnerin» werden?

Stefan Dürig: Indem wir durch und durch mit Leistung überzeugen. «Selbstverständlich» heisst ja auch, dass man sich niemand Besseres wünschen und vorstellen kann. Genau das wollen wir erreichen.

Welches sind die grössten strategischen Veränderungen?

Reto Heiz: Unsere Strategie war bis anhin stark auf Wachstum ausgerichtet. Natürlich wollen wir noch weiterwachsen, aber nicht mehr ausschliesslich. Mit unserer neuen Vision messen wir der Entwicklung die gleiche Bedeutung bei. Entsprechend haben wir zwei Wachstums- und zwei Entwicklungsfelder definiert. In den Wachstumsfeldern haben wir uns zum Ziel gesetzt, weiter zu diversifizieren und es auch geografisch auszudehnen. Zudem möchten wir uns auch insofern vergrössern, als dass wir neue und bestehende Kundensegmente digital erschliessen.

Stefan Dürig: Was die Entwicklung anbelangt, wollen wir einerseits unsere gesamte Leistung effizienter erbringen. Andererseits streben wir danach, ein Ökosystem Gebäude zu definieren und Kooperationen mit anderen Unternehmen einzugehen. Kunden profitieren davon, weil sie dadurch zum Beispiel nicht die eine Police hier und die andere dort haben, sondern ein Rundum-sorglos-Paket erhalten. Ein wertvolles Asset, das wir im Hinblick auf Partnerschaften mitbringen, ist unser Kundenportal. Lanciert werden soll das Portal 2021. Zur Vorbereitung haben wir 2020 unsere gesamte Webstruktur neu aufgesetzt. Nach aussen hin zeigt sich dies in den neuen, modernisierten Webauftritten: www.gvb.ch, www.gvb-privatversicherungen.ch, www.hausinfo.ch und www.wetteralarm.ch. 

Mit COVID-19 ist auch das Thema Risk Management vermehrt in den Vordergrund gerückt. Wie sichert sich die GVB Gruppe diesbezüglich ab?

Stefan Dürig: COVID-19 hat viele Unternehmen vor grosse Herausforderungen gestellt. Dank unserem Geschäftsmodell waren wir aber verhältnismässig wenig davon tangiert. Unser grösstes Risiko ist und bleibt die Abhängigkeit von Elementarereignissen. Hier ist zentral, dass wir jederzeit gut kapitalisiert sind und bei einem Grossereignis so schnell wie möglich mit einer «atmenden Organisation» reagieren können. Wir müssen schlank aufgestellt sein. Wenn aber etwas passiert, müssen wir genügend Ressourcen bereitstellen können, um Schäden so schnell wie möglich zu bearbeiten und unseren Kunden einen Top-Service bieten zu können.

Wie haben die Mitarbeitenden das vergangene Jahr bewältigt?

Stefan Dürig: 2020 brachte viele Neuerungen. Einerseits durch die adjustierte Strategie, andererseits bedingt durch COVID-19. Stolz macht mich insbesondere, mit welcher Kreativität die Mitarbeitenden die täglichen Herausforderungen gemeistert haben. Unser Feuerwehrinspektorat beispielsweise hat entschieden, den Kommandantenrapport im Herbst nicht einfach zu streichen, sondern kantonal durchzuführen und via Livestream zu übertragen. Tief beeindruckt bin ich zudem vom hohen Engagement unserer Mitarbeitenden. Dass 82 Prozent von ihnen zufrieden sind, wie die jährliche Personalumfrage erst kürzlich ergeben hat, freut mich enorm. Eine moderne Unternehmenskultur aufzubauen und sie gemeinsam zu leben und weiterzuentwickeln, liegt mir besonders am Herzen. 

Reto Heiz: Unsere 287 internen sowie 270 externen Mitarbeitenden sind es, welche die GVB Gruppe letztlich ausmachen. Zufriedene Mitarbeitende sind das A und das O eines jeden Unternehmens. Und alles, was wir in sie investieren, spüren letztlich auch unsere Kunden und Partner. Daher wollen wir künftig auch die Abteilung Human Resources stärker gewichten. Das manifestiert sich unter anderem darin, dass die HR-Leitung ab 1. Januar 2021 neu Mitglied der Geschäftsleitung ist. 

Herr Dürig, es war Ihr erstes Jahr als CEO der GVB. Wie sieht Ihre persönliche Bilanz aus?

Stefan Dürig: 2020 war ein sehr intensives Jahr. Als ich im Januar die operative Führung übernommen habe, hätte ich niemals gedacht, dass eine meiner ersten Amtshandlungen sein wird, den Betrieb derart umzustellen. Rückblickend betrachtet war der Lockdown aber ein Glücksfall, weil ich aufgrund der vielen abgesagten Termine Zeit hatte, das Unternehmen kennenzulernen und das «Leitbild 2030» für die GVB Gruppe zu erarbeiten. Besonders geschätzt habe ich die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden, den Mitgliedern der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats.

Reto Heiz: Ich spreche wohl für den ganzen Verwaltungsrat, wenn ich sage, dass auch wir die Zusammenarbeit mit Stefan Dürig als sehr gewinnbringend erleben. Er hat in seinem ersten Jahr viel frischen Wind ins Unternehmen gebracht. Dabei hat er die speziellen und zahlreichen Herausforderungen des Jahres 2020 hervorragend angepackt und erfolgreich gemeistert. Wir freuen uns, mit ihm gemeinsam die adjustierte Strategie weiterzuverfolgen. Darüber hinaus freute es mich sehr, mit Sarah Schläppi, René Schmied und Olivier Voumard drei neue Mitglieder im Verwaltungsrat zu begrüssen. Sie ersetzen François Frôté und Markus Meyer, die beide nach zwölf Jahren aus dem Gremium zurückgetreten sind.

Wir stehen für beides: für Sichern und für Versichern.

Stefan Dürig, Vorsitzender der Geschäftsleitung

Wir nehmen unsere Verantwortung als öffentlich-rechtliches Unternehmen mit einem kantonalen Auftrag ernst.