Lagebericht 2017: «Wichtige Schritte in die digitale Zukunft»

Jörg Kaufmann, Verwaltungsratspräsident, und Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung, blicken auf ein erfolgreiches Jahr der Gebäudeversicherung Bern (GVB) und ihrer Tochtergesellschaften zurück.

War 2017 für die GVB ein gutes Jahr?
Ueli Winzenried:
Ja, auch wenn die Schäden im Vergleich zum Vorjahr um einiges höher ausfielen. Dafür waren vor allem zwei Hagelschlagereignisse in den Regionen Thun, Seeland und Oberaargau verantwortlich. Auch dank guter Anlageergebnisse resultierte für das Geschäftsjahr 2017 unter dem Strich trotzdem ein konsolidierter Gewinn in der Höhe von 9,7 Millionen Franken. Davon profitieren unsere Kundinnen und Kunden. Einerseits bleiben die Prämien weiterhin tief, andererseits kommen die Hauseigentümer zum sechsten Mal in Folge in den Genuss einer Überschussbeteiligung. Diesmal beträgt sie 30 Millionen Franken. Das entspricht einer Prämienreduktion von rund 15 Prozent, welche ihnen auf der Jahresrechnung 2019 gutgeschrieben wird.

Jörg Kaufmann: Ohne unsere Mitarbeitenden sind solche Erfolge nicht möglich. Dafür gebührt ihnen unser Dank. Im vergangenen Jahr beschäftigten die GVB und ihre Tochtergesellschaften durchschnittlich 205 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit sich das Unternehmen auch in Zukunft positiv entwickelt, erhalten bei der GVB die zunehmenden Risiken höchste Aufmerksamkeit. Der Verwaltungsrat nimmt mit der Ausgestaltung eines Risikomanagements sowie eines internen Kontrollsystems die oberste Verantwortung für das Risikomanagement der GVB und ihrer Tochtergesellschaften wahr. Die entsprechenden Strategien einschliesslich eines umfassenden Rückversicherungskonzepts werden durch den Verwaltungsrat verabschiedet und durch die Geschäftsleitungen der operativen Gesellschaften umgesetzt.

Was war für die GVB Gruppe in diesem Jahr prägend?
Ueli Winzenried: Besonders erwähnen möchte ich die Entwicklung und Einführung einer Schätzungs- und Beratungs-App. Damit können jetzt Prozesse grösstenteils papierlos abgewickelt und noch individueller auf unsere Kundinnen und Kunden zugeschnitten werden. Erste Erfahrungen haben wir zudem mit der «smarten» Schadenserledigung gesammelt: So lassen sich kleine Schäden wie etwa Graffiti-Schmierereien am Haus in wenigen Schritten per Smartphone regeln. Das sind für uns wichtige Schritte im Rahmen unserer Digitalstrategie 2025. Zudem wurde mit 35 000 Schätzungen erneut ein grosser Effort geleistet, um die Kunden im Schadensfall vor Unterversicherung zu schützen. In den letzten 5 Jahren hat die GVB mit 140 000 Häusern somit mehr als einen Drittel der Liegenschaften im Kanton Bern neu geschätzt.

«Mit 35 000 Schätzungen wurde erneut ein grosser Effort geleistet, um Kunden im Schadensfall vor Unterversicherung zu schützen.»
  • Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung, GVB

 

Wie haben sich die Tochtergesellschaften entwickelt?
Jörg Kaufmann: Weiterhin sehr erfreulich! Die GVB Privatversicherungen AG hat das Jahr zum dritten Mal in Folge mit einem Gewinn abgeschlossen, auch dank der grossen Nachfrage nach der Erdbebenversicherung GVB Terra. Die GVB Services AG hat sich zu einem der führenden Anbieter von Brandschutz-Consulting im Kanton Bern entwickelt. Nun möchten wir unsere Anstrengungen auf die ganze Schweiz ausdehnen. In Zürich haben wir eine erste Niederlassung eröffnet. Dabei konnte auch das Team professionell verstärkt und erweitert werden.

Die Anstrengungen im Bereich Klimaerwärmung sind nach wie vor hoch.
Ueli Winzenried: Ja. Und es ist auch dringend nötig: 2017 war wiederum eines der heissesten Jahre, seit die Wetterdaten gemessen und aufgezeichnet werden. In einem Bericht betonte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), dass 2017 zudem als ein Jahr der extremen Wetterereignisse in die Geschichte eingehen wird. Sie verwies dabei auf Hitze von über 50 °C in Asien, Wirbelstürme in der Karibik, verheerende Überschwemmungen in Monsungebieten und Dürre in Ostafrika. Laut WMO ist diese Entwicklung zu höheren Temperaturen und einer steigenden Zahl von extremen Wetterphänomenen eindeutig auf den Treibhausgasausstoss zurückzuführen.

Jörg Kaufmann: Wir nehmen deshalb unsere Verantwortung als Unternehmen wahr: Im Rahmen unserer Klimastrategie konnten wir in den vergangenen 10 Jahren den CO2-Ausstoss pro Mitarbeitenden um 35 Prozent senken. Und das ist noch nicht das Ende: Denn ab Frühling 2018 werden unsere Aussendienstmitarbeitenden mit Elektroautos ausgestattet. Zudem finanziert die GVB in den nächsten 10 Jahren eine neu geschaffene Professur an der Universität Bern, die sich mit den Folgen des Klimawandels für Wirtschaft und Gesellschaft befassen wird.

«Die GVB finanziert in den nächsten 10 Jahren eine Klimaprofessur an der Uni Bern.»
  • Jörg Kaufmann, Verwaltungsratspräsident, GVB