Umweltbericht 2017 der Gebäudeversicherung Bern (GVB)

Als Versicherung von Elementarschäden ist die GVB direkt von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Diese sind im Kanton Bern mit seinen Gefällen und Wassermengen besonders spürbar: Über die letzten drei Dekaden haben die Schadensfälle durch extreme Wetterereignisse jedes Jahrzehnt um 50 Prozent zugenommen. Und 90 Prozent der Gebäudeschäden werden heutzutage durch Hagel, Stürme und Überflutungen verursacht. So löste am 31. Mai 2017 ein schweres Gewitter in der Region Thun innerhalb von nur einer halben Stunde Schäden von über 19 Millionen Franken aus. 

Die GVB engagiert sich deshalb auf vielfältige Weise für den Klimaschutz. Dies insbesondere, um der Öffentlichkeit Zusammenhänge und Folgen des Klimawandels aufzuzeigen und um Handlungsstrategien erkennbar zu machen. Dieses Engagement unterstreicht sie mit ihrer eigenen Geschäftstätigkeit, sei es im externen oder im internen Bereich. So konnte die GVB die CO2-Emissionen pro Mitarbeitenden seit 2007 um 35 Prozent reduzieren. Bis 2020 sollen sie um weitere 30 Prozent sinken. Der Umweltbericht der GVB gibt Auskunft über bisherige Engagements und Erfolge sowie über geplante Massnahmen für die künftige Reduktion des CO2-Ausstosses.

Die GVB unterstützt verschiedenste Engagements rund um den Klimaschutz. 2007 lancierte sie beispielsweise das nationale Klimaforum. Dieses bringt heute unter dem Namen SwissECS (Swiss Energy and Climate Summit) jedes Jahr Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen und dient als Plattform für wirtschaftlich und technologisch nachhaltige Innovationen. Dabei durfte der SwissECS bereits Sprecher wie Ban Ki-moon, Tony Blair, Gerhard Schröder, Muhammad Yunus oder Lewis Pugh begrüssen.

Die GVB ist aber auch auf lokaler Bühne präsent: Gemeinsam mit dem Forum Ittigen: KLIMABEWUSST macht sie sich für die Steigerung der Energieeffizienz stark. Darüber hinaus finanziert die GVB gemeinsam mit der Stiftung Mercator eine Professur für Klima- und Umweltökonomie an der Universität Bern. Diese Professur ist interdisziplinär ausgerichtet und wird sich den Forschungsfragen von Ökonomie, Klimaforschung und den Folgen des Klimawandels für Wirtschaft und Gesellschaft widmen. Die Förderung stärkt den Forschungsstandort Bern und fördert den exzellenten Ruf der Universität Bern für ihre Klimaforschung.

Bei der eigenen Geschäftstätigkeit gehen die GVB und ihre Tochtergesellschaften (GVB Gruppe) mit gutem Beispiel voran. Ihr Ziel ist eine klimaneutrale Geschäftstätigkeit. Im Hinblick auf Energieeffizienz leisten sie insbesondere bei den Immobilien des Anlageportfolios einen grossen und wichtigen Beitrag. Sie investieren hier ganz bewusst in zukunftsweisende, klimaschonende Gebäude und versuchen, wo immer möglich, Minergie-Standards zu erreichen. Eine besondere Rolle kommt dabei Leuchtturmprojekten der GVB wie der Überbauung am Burgernziel in Bern zu, mit der die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden sollen. Ein Beispiel für eine energieeffiziente Überbauung ist auch die Winterholzstrasse in Bern West. Dort wird mit Wärmepumpen CO2-neutral geheizt, Fotovoltaikanlagen wandeln Sonnenlicht in Strom um, und für Toiletten und Waschmaschinen wird Regenwasser genutzt. Licht und Energie lassen sich per Smartphone energieeffizient steuern und Ladestationen für Elektrofahrzeuge fördern das Umsteigen auf umweltfreundliche Mobilität.

Mitarbeitenden steht für Dienstfahrten bald eine Elektrofahrzeugflotte zur Verfügung. Sensibilisierungsmassnahmen senken den Papierverbrauch und das verwendete Papier stammt ausschliesslich aus FSC-zertifizierten Quellen. Auch beim Heizen wird der Energiebedarf gedrosselt, indem die Gebäudetemperatur im Winter etwas reduziert wird.

Die verschiedenen Massnahmen bringen Einsparungen in ganz unterschiedlichen Bereichen und vermeiden den Ausstoss verschiedenster Schadstoffe. Kritisch beobachtet, beraten und begleitet werden die Anstrengungen der GVB vom Umweltberatungsunternehmen Swiss Climate. Dieses verleiht der GVB seit 2013 das goldene Klimaschutz-Gütezeichen «CO2-neutral». 2017 wurde die GVB insgesamt bereits zum zehnten Mal mit einem Zertifikat von Swiss Climate ausgezeichnet. Das branchenübergreifende Label von Swiss Climate steht für Glaubwürdigkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Es umfasst eine jährliche Zertifizierung mit externer Prüfung durch die Prüfgesellschaft true & fair. Es ist das einzige Label in dieser Form in der Schweiz und wird von der Stiftung PUSCH (Praktischer Umweltschutz Schweiz) empfohlen.

Zahlen und Daten dieses Umweltberichts wurden grösstenteils von der GVB erhoben und von Swiss Climate verwertet. Zur besseren Vergleichbarkeit werden diese Zahlen in diesem Bericht in CO2-Äquivalente umgerechnet.

Was wurde bereits umgesetzt?
Die Steuerung der Heizung am GVB-Hauptsitz in Ittigen wurde in den letzten Jahren laufend optimiert. So konnte die Umwälzung der Luft im Gebäude reduziert und der Wasserverbrauch zur Luftbefeuchtung deutlich verringert werden. Mit der Reduktion der Gebäudetemperatur am Wochenende und in der Nacht wird zusätzlich Energie eingespart. Auch die Produktion von Warmwasser am Wochenende wurde eingestellt, um weiter Energie zu sparen.

Dank all dieser Massnahmen haben die Emissionen pro Fläche seit 2013 um rund 35 Prozent von 13,5 kg CO2e/m2 auf 8,75 kg CO2e/m2 im Jahr 2016 abgenommen. Eine weitere Verbesserung der CO2-Bilanz wird sich im aktuellen Berichtsjahr bemerkbar machen: 20 Prozent der Heizenergie stammen heute aus Biogas, das auf Schweizer Bauernhöfen produziert wird.

Welche weiteren Massnahmen sind geplant?
Zur weiteren energietechnischen Verbesserung der Heizung wurden nun Messpunkte gesetzt, die auch die Luftqualität überwachen. Dabei geht es darum, eine sinnvolle Balance zwischen Luftqualität und energietechnischen Massnahmen zu finden. Mittelfristig wird zur Optimierung der Energieeffizienz zudem der Ersatz der bestehenden Gasheizung geprüft.

 

Der Stromverbrauch pro Mitarbeitenden der GVB wurde zwischen 2007 und 2015 um 54 Prozent reduziert. Die Beleuchtung wurde konsequent auf LED-Leuchten umgestellt und die individuellen Drucker zu je einem Druckzentrum pro Stockwerk zusammengefasst. Nicht zuletzt half aber auch der technische Fortschritt: Sensoren sorgen dafür, dass das Licht nur dort brennt, wo es benötigt wird. Der Raumbedarf für die Serveranlagen sank dank des technischen Fortschritts, was sich auch punkto Energieeffizienz positiv auswirkte. Seit 2016 arbeitet die GVB zudem ausschliesslich mit Ökostrom, womit die CO2-Emissionen des Stromverbrauchs auf null gesenkt werden konnten.

Was wurde bereits umgesetzt?
Im Bereich der Mobilität sieht die GVB am meisten Potenzial für Verbesserungen. Die bisherigen Massnahmen führten nicht zum erhofften Erfolg. So wurden etwa Fahrgemeinschaften gefördert und Aktionen wie Bike to Work durchgeführt. Die Emissionen bei den Pendelfahrten konnten damit zwischen 2007 und 2016 zwar von 1296 auf 1074 kg CO2 pro Mitarbeitenden reduziert werden, im Vergleich mit ähnlichen Branchen liegt die GVB damit aber immer noch im oberen Bereich, und zwar sowohl bei den Pendelfahrten wie auch bei den geschäftlichen Reisetätigkeiten.

Welche weiteren Massnahmen sind geplant?
2016 entfielen 71 Prozent der CO2-Emissionen der GVB Gruppe auf Pendelfahrten und Geschäftsreisen. Das zeigt, wie viel in anderen Bereichen erreicht wurde – und dass Verbesserungen bei der Mobilität nun dringend angebracht sind. Als wichtigste Massnahme hat die GVB Gruppe deshalb die Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektroautos beschlossen. Erste Modelle wurden bereits 2015 angeschafft. Im Berichtsjahr fiel der Entscheid, die rund 80 Aussendienstmitarbeitenden mit Elektroautos auszustatten. Dies verspricht eine grosse CO2-Einsparung: Es ist zu erwarten, dass das für 2020 gesteckte Reduktionsziel von 30 Prozent weniger CO2 gegenüber 2015 bereits 2018 erreicht wird.

Parallel dazu sollen Massnahmen wie Bike to Work weitergeführt werden. Auch der Verzicht auf nicht unbedingt notwendige Geschäftsfahrten soll gefördert werden. Eine Überarbeitung des Parkplatzreglements in Ittigen sorgt ausserdem dafür, dass das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln attraktiver wird. Der Erlös aus der Erhöhung der Parkgebühren fliesst direkt in die Vergünstigung von Libero-Abonnementen. Ergänzend wird 2018 zudem direkt vor dem Haus eine PubliBike-Station eröffnet.

Was wurde bereits umgesetzt?
Zur Reduktion des Papierverbrauchs wurden die Drucker im Gebäude zu je einem Druckzentrum pro Stockwerk zusammengefasst. Ein Badge-System trägt zusätzlich dazu bei, unnötige Druckaufträge zu vermeiden. Broschüren werden auf FSC-zertifiziertem Papier gedruckt, und ein Pilotprojekt zur Nutzung von Recyclingpapier wurde 2017 erfolgreich durchgeführt.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung werden im Druckbereich genutzt: Die Kernprozesse des gesamten Workflows funktionieren heute papierlos. Die Schätzungsexperten arbeiten seit 2015 mit einer App, und die GVB-Kunden werden laufend auf die Möglichkeit von E-Rechnungen aufmerksam gemacht. 2017 wurde zudem eine B2B-Plattform für Liegenschaftsverwaltungen und Grosskunden eingerichtet, die es ermöglicht, viele Vorgänge papierlos abzuwickeln. Auch der Geschäftsbericht der GVB erscheint in diesem Jahr erstmals grösstenteils digital.

Zwischen 2007 und 2016 konnte der Papierverbrauch pro Mitarbeitenden durch all diese Massnahmen um 32 Prozent gesenkt werden. Seit 2013 werden zudem alle Briefe im Inland klimaneutral verschickt. Da Briefe ins Ausland nur einen geringen Anteil am gesamten Versandvolumen ausmachen, konnte die CO2-Belastung der Versände beinahe auf null reduziert werden.

Welche weiteren Massnahmen sind geplant?
Trotz guter Resultate sind im Bereich Papier und Versand weitere Verbesserungen möglich. Viel Potenzial steckt noch immer in der Umstellung auf die E-Rechnung, die deshalb weiter vorangetrieben wird.

Das Leuchtturmprojekt der GVB am Berner Burgernziel erhielt in jüngster Zeit viel Aufmerksamkeit und positives Feedback. Es steht beispielhaft für die gesamte, klimaorientierte Anlagestrategie der GVB. Genauso eindrücklich zeigt sich das Engagement der GVB im Klimaschutz aber anhand Dutzender grosser, kleiner und kleinster Verbesserungen am Hauptsitz in Ittigen. Dank dieser Anstrengungen konnten die CO2-Emissionen pro Mitarbeitenden seit Einführung der Klimastrategie 2007 um über einen Drittel – 35 Prozent – verringert werden.

Beim Strom ist das Verbesserungspotenzial heute beinahe ganz, bei Papier und Versand schon zu grossen Teilen ausgeschöpft. Bei der Heizung erreicht die GVB bereits heute beinahe den Minergie-Standard. Weitere Optimierungen werden laufend geprüft. Und bei Pendel- und Geschäftsreisen wird insbesondere die Umstellung der Fahrzeugflotte auf Elektroautos für weiter sinkende Emissionen sorgen. Das Ziel von 30 Prozent weniger CO2-Ausstoss gegenüber 2015 dürfte dadurch nicht erst 2020, sondern bereits 2018 erreicht werden.