Lagebericht 2018: «Burglind hat uns geprägt.»

Verwaltungsratspräsident Jörg Kaufmann und Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung, blicken auf ein turbulentes Jahr der GVB Gruppe zurück, sehen das Unternehmen jedoch gut gerüstet für die Zukunft.

Wie beurteilen Sie das vergangene Geschäftsjahr der GVB Gruppe?
Ueli Winzenried: Das Sturmtief Burglind, das am 3. Januar 2018 über unser Land fegte, hinterliess auch im Kanton Bern grosse Schäden. Bei der GVB und ihren Tochtergesellschaften gingen danach rund 20 000 Meldungen ein, die Gesamtschadenssumme belief sich auf rund 35 Millionen Franken. Das entspricht mehr als der Hälfte aller Elementarschadenskosten im Jahr 2017. «Burglind» hat also deutliche Spuren bei der Jahresrechnung hinterlassen. Hinzu kommt die schwierige geopolitische Lage, welche die Ergebnisse an den Kapitalmärkten negativ beeinflusste. Insgesamt war 2018 ein Jahr mit einigen Turbulenzen: die Gesamtschadenssumme fällt mit 128,6 Millionen Franken um einiges höher aus als 2017 (95,8 Mio. Franken). Zudem kann die GVB zum ersten Mal seit sechs Jahren keine Überschussbeteiligung an ihre Kundinnen und Kunden auszahlen.
Jörg Kaufmann: Die Abwicklung der durch «Burglind» verursachten Schäden stellte extrem hohe Anforderungen an unsere Mitarbeitenden. Um die hohe Anzahl Schadensmeldungen bewältigen zu können, unterstützen uns temporäre Mitarbeitende. Trotzdem musste die Tagesarbeitszeit erhöht und die Samstagsarbeit kurzzeitig eingeführt werden. Für dieses Engagement gebührt unseren Mitarbeitenden unser besonderer Dank. Im vergangenen Jahr beschäftigten wir durchschnittlich 232 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (+9 Prozent). Gewachsen sind insbesondere der Geschäftsbereich SafeT Swiss der GVB Services AG und die Verkaufsorganisation der GVB Privatversicherungen AG.

War die GVB auf dieses Grossereignis vorbereitet?
Jörg Kaufmann: «Burglind» hat uns wieder einmal vor Augen geführt, dass wir, um uns auch in Zukunft positiv entwickeln zu können, den zunehmenden Risiken durch Extremereignisse höchste Aufmerksamkeit schenken müssen. Der Verwaltungsrat nimmt mit der Ausgestaltung eines gruppenweiten Risikomanagements sowie eines internen Kontrollsystems die oberste Verantwortung für das Risikomanagement der GVB Gruppe wahr. «Burglind» hat u.a. gezeigt, dass das umfassende Rückversicherungskonzept und das Risikomanagement gut funktioniert haben und vom Verwaltungsrat keine Anpassungen notwendig waren.

Zu diesem Risikomanagement gehört unter anderem auch, dass die Schadenspotenziale periodisch durch Spezialisten überprüft werden. Gibt es diesbezüglich Veränderungen?
Ueli Winzenried: Die letzte Auswertung hat gezeigt, dass die für uns relevanten Risiken weiter gestiegen sind. Das hat vor allem mit den durch den Klimawandel stetig grösser werdenden Naturgefahren zu tun. Diese Veränderungen stellen alle – die Bevölkerung wie auch die GVB – vor neue Herausforderungen und es gilt sich entsprechend zu verhalten und anzupassen. Mit unserer 2007 initiierten Klimastrategie sind wir auf dem richtigen Weg. Damit wollen wir einerseits die Öffentlichkeit sensibilisieren, andererseits aber auch selber einen Beitrag leisten. Besonders stolz bin ich, dass wir die CO2-Emissionen pro Mitarbeitenden durch die Anschaffung von 80 Elektroautos für unseren Aussendienst markant senken können.

«Ich bin stolz, dass wir die CO₂-Emissionen durch die Anschaffung von 80 Elektroautos für unsere Mitarbeitenden markant senken können.»
  • Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung, GVB

Wie fällt die Jahresbilanz bei den Tochtergesellschaften aus?
Jörg Kaufmann: Die Tochtergesellschaften konnten sich am Markt weiterhin sehr gut behaupten. Die GVB Privatversicherungen AG musste wegen des Sturmtiefs Burglind allerdings ein leicht negatives Ergebnis in Kauf nehmen. Das Prämienwachstum entwickelte sich dagegen sehr erfreulich. Und auch die GVB Services AG befindet sich weiterhin auf Wachstumskurs – dies insbesondere dank dem Brandschutz-Consulting, das unter dem Namen SafeT Swiss einen neuen Markenauftritt erhielt. Im September wurde in St-Blaise (NE) die zweite ausserkantonale Niederlassung nach Zürich eröffnet. Die Experten von SafeT Swiss gehören inzwischen zu den führenden Brandschutzfachplanern der Schweiz.

Ist die GVB Gruppe für die Zukunft gerüstet?
Ueli Winzenried: Der Verwaltungsrat hat die überarbeitete Geschäftsstrategie 2019 bis 2023 im November 2018 verabschiedet. Damit kann sich die GVB Gruppe weiterhin an den Bedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden orientieren und innovative Dienstleistungen erbringen. Konkret steht die überarbeitete Strategie für ein Leistungsangebot, das sich den sich verändernden Kundenbedürfnissen anpassen kann, eine möglichst hohe Effizienz in allen operativen Bereichen, ein weiterhin tiefes Prämienniveau in der obligatorischen Gebäudeversicherung und konsequentes Vorantreiben der Digitalisierung aller Prozesse.

Im Verwaltungsrat wird es ebenfalls zu Veränderungen kommen.
Jörg Kaufmann: Genau, ich werde mich altershalber Ende 2018 nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Ich verlasse die GVB mit einem sehr guten Gefühl – insbesondere angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen ein herausforderndes Jahr wie 2018 sehr gut meistern konnte.
Ueli Winzenried: Jörg Kaufmann präsidierte den Verwaltungsrat während neun Jahren. Wir bedanken uns herzlichst bei ihm für seinen Einsatz, sein Engagement und das Vertrauen, das er der Geschäftsleitung, dem Kader und den Mitarbeitenden der GVB während all den Jahren entgegengebracht hat. Seine umfangreichen Kenntnisse der bernischen und schweizerischen Wirtschaft und seine Führungserfahrung waren eine Bereicherung für die GVB. Mit Reto Heiz, dem ehemaligen Direktor der UBS in der Region Bern-Mittelland, konnte die Nachfolge mit einer erfahrenen Unternehmerpersönlichkeit sichergestellt werden.

«Ich verlasse die GVB mit einem guten Gefühl, weil das Unternehmen auch ein so schwieriges Jahr wie 2018 sehr gut gemeistert hat.»
  • Jörg Kaufmann, Verwaltungsratspräsident, GVB