Mit 2000 Watt gegen den Klimawandel

Um den Klimawandel zu verlangsamen, werden weltweit zahlreiche Modelle entwickelt und internationale Abkommen unterzeichnet. Eine der Visionen ist die 2000-Watt-Gesellschaft. In der Schweiz und spezifisch in Bern gibt es im Baubereich schon Leuchtturmprojekte, die sich daran orientieren.

Bei der 2000-Watt-Gesellschaft handelt es sich um ein klimapolitisches Modell, das Anfang der 1990er-Jahre von der ETH Zürich entwickelt wurde. Es geht davon aus, dass die globale Klimaerwärmung durch eine konsequente Reduktion des Energieverbrauchs aufgehalten werden kann. Konkret lautet das Ziel, den Energiebedarf einer Person auf eine durchschnittliche Dauerleistung von 2000 Watt zu senken und pro Jahr und Person nicht mehr als eine Tonne CO2-Emissionen zu verursachen. Erreicht werden sollen diese Ziele durch gesellschaftliche Innovationen, einen intelligenten Umgang mit Ressourcen und den konsequenten Einsatz von erneuerbaren anstelle von fossilen Energien.

11 000 vs. 100 Watt
1990 lag der weltweite Durchschnitt der Dauerleistung bei 2000 Watt pro Person, heute sind es bereits 2500 Watt. Die Zahlen variieren aber stark: In der Schweiz liegt der Wert bei rund 5000, in den USA bei 11 000 und in afrikanischen Ländern bei nur wenigen Hundert Watt. Gemäss Berechnungen der ETH Zürich reichen 2000 Watt Dauerleistung pro Person jedoch aus, um in Wohlstand und mit hoher Qualität leben zu können. In der Schweiz hat die Leistung pro Person in den letzten Jahren leicht abgenommen, dies vor allem dank effizienteren Geräten und einem stärkeren Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit. Da die Bevölkerung aber gleichzeitig wächst, nimmt der gesamthafte Energieverbrauch immer noch zu. Laut der ehemaligen Energieministerin Doris Leuthard sind etwa Entwicklungen im Wärmebereich und bei der Mobilität notwendig, um den 2000 Watt näherzukommen. Um diese Innovationen voranzutreiben, seien aber grosse Investitionen nötig.

 

 

Von Kyoto zu Paris
Strategien, um den Klimawandel zu verlangsamen, gibt es schon länger. Nach dem 1997 ausgearbeiteten Kyoto-Protokoll haben 2015 an der 21. UN-Klimakonferenz in Paris zahlreiche Länder ein Klimaschutzabkommen unterzeichnet. Dieses sieht die Begrenzung der globalen Erwärmung auf unter 2 Grad gegenüber dem Temperaturdurchschnitt in der vorindustriellen Zeit vor. Auch die Schweiz hat das Abkommen unterzeichnet und sich damit verpflichtet, in den Klimaschutz zu investieren und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die in der Folge vom Bundesrat ausgearbeitete Energiestrategie 2050 will den Energieverbrauch pro Person bis 2035 um 43 Prozent senken.

Leuchtturmprojekt im Osten von Bern
In der Schweiz haben 23 Kantone und mehr als hundert Städte und Gemeinden die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft in ihren energiepolitischen Zielen verankert, so auch der Kanton Bern. Und auch Bauprojekte orientieren sich zunehmend daran. So auch die geplante Überbauung auf dem ehemaligen Tramdepot Burgernziel. Die Gebäudeversicherung Bern (GVB) errichtet dort gemeinsam mit der Wohnbaugenossenschaft ACHT (wbg8) ein modernes Begegnungszentrum. Im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses eröffnet die Migros eine Filiale. Neben einem Restaurant mit Gemeinschaftsraum wird es ausserdem eine altersgemischte Schulklasse (Basisstufe) und eine Kindertagesstätte geben.

Der GVB und der wbg8 sind eine ansprechende Architektur und eine nachhaltige Bauqualität wichtig. Aus diesem Grund wird das Wohn- und Geschäftshaus nach dem Standard Minergie-ECO gebaut. Es verfügt über Solarpanels sowie Komfortlüftungen und wird mit rund 45 Erdsonden komplett CO2-neutral beheizt. Die GVB hat sich dabei bewusst für das klimafreundliche Bauen entschieden. «Wir setzen bei all unseren Bauprojekten wenn immer möglich auf nachhaltiges Bauen. Dies, weil wir als Versicherer von Elementarschäden direkt vom Klimawandel betroffen sind und wir mit verschiedenen Massnahmen versuchen, dem entgegenzuwirken», so Stefan Lucy, Leiter Immobilien bei der GVB.

 

 

Auszeichnung für nachhaltigen Städtebau
Weil es die Kriterien der 2000-Watt-Gesellschaft erfüllt, erhielt das sich in Entwicklung befindende Bauprojekt im Herbst 2018 das Zertifikat «2000-Watt-Areal». «Wir haben uns sehr gefreut, dieses ehrgeizige Bauvorhaben auszuzeichnen», sagt Ricardo Bandli, Programmverantwortlicher «2000-Watt-Areal» beim Bundesamt für Energie. «Besonders überzeugt haben uns dabei die Nutzung von Solarenergie für die Stromproduktion, der hohe energetische Gebäudestandard und das innovative Mobilitätskonzept.»

Schweizweit haben bisher erst sieben sich in Betrieb befindende Vorzeigeprojekte das Label «2000-Watt-Areal» erhalten. Wie ein 2000-Watt-Areal genau funktioniert, zeigt das Beispiel der Siedlung «Burgunder» in Bern Bümpliz. Das Areal war die erste autofreie Siedlung und setzte Meilensteine in der Diskussion über innovative Mobilitätskonzepte. Das Label «2000-Watt-Areal» wird vom Programm «EnergieSchweiz» des Bundesamts für Energie vergeben. Damit fördert der Bund die Umsetzung der nationalen Energiepolitik in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbarer Energie.