Der Blick in eine ungewisse Zukunft

Mit fortschreitendem Klimawandel wird die Zahl der extremen Wetterereignisse und der damit einhergehenden Schadensfälle auch in Zukunft steigen. Klimaprognosen helfen, sich besser darauf vorbereiten zu können.

Im Januar 2018 zog Sturmtief Burglind über die Schweiz und hinterliess vielerorts ein Bild der Verwüstung: Die orkanartigen Böen zogen ganze Wälder in Mitleidenschaft, beschädigten Häuser und behinderten den Verkehr auf Strasse, Schiene und in der Luft. Auf «Burglind» folgte nur zwei Wochen später Sturmtief Evi mit Böen von bis zu 180 Stundenkilometern.

50 Prozent mehr Schadensfälle
2018 wendete die Gebäudeversicherung Bern (GVB) rund 83,5 Millionen Franken für Elementarschäden auf. Das entspricht rund 41 Prozent mehr als im Vorjahr (2017: 59,2 Millionen). Nichts Ungewöhnliches, entspricht diese Zunahme doch dem Trend der letzten Jahre: Über die letzten fünf Dekaden haben die Schadensfälle durch extreme Wetterereignisse jedes Jahrzehnt um 50 Prozent zugenommen. 90 Prozent der Gebäudeschäden werden dabei durch Hagel, Stürme und Überflutungen verursacht.

 

 

Trendwende noch möglich
Grund für diese Zunahme von Wetterextremen ist in zunehmendem Masse auch der fortschreitende Klimawandel. Bei der Präsentation des Sonderberichts des UNO-Weltklimarats im Oktober 2018 betonte der Co-Vorsitzende Panmao Zhai, dass «wir bereits heute die Konsequenzen von einem Grad Erderwärmung spüren: mehr Extremwetter, steigende Meeresspiegel und schwindendes arktisches Meereis». Die Begrenzung der Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf 1,5 Grad sei technisch noch machbar, ist der Weltklimarat überzeugt. Für diese Trendwende brauche es in der Gesellschaft aber «beispiellose Veränderungen». So müssen die Treibhausgas-Emissionen rapide sinken, etwa bei der Stromerzeugung, im Verkehr und in der Industrie. Bis 2030 müssten die Emissionen um 45 Prozent abnehmen, bis 2050 um fast 100 Prozent. Damit dies gelingt, muss auch die Schweiz ihre bisherigen Massnahmen für den Klimaschutz deutlich verstärken.

Trockener, heisser und schneeärmer
Wie sich das Klima in der Schweiz inskünftig verändern könnte, haben Ende 2018 MeteoSchweiz, die ETH Zürich und das Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern präsentiert. Die Klimaszenarien CH2018 sind nach 2007 und 2011 bereits der dritte Blick in die Schweizer Klimazukunft. Und dieser hat es in sich: Die Schweiz wird trockener, heisser und kämpft künftig mit heftigeren Niederschlägen. Mit den Klimaszenarien liefern die Forscher die wissenschaftliche Grundlage für Anpassungsstrategien an den Klimawandel. Bauernverbände, Energieversorger, Ingenieurbüros, Architekten und Versicherungsunternehmen wie die GVB können dadurch besser abschätzen, was konkret auf sie zukommt: Wie müssen Gebäudeschutz, Hochwasserschutzbauten und Entwässerungssysteme angepasst werden? Wie entwickeln sich die Temperaturen in Bächen und Flüssen? Und wo könnten Rutschungen, ausgelöst durch auftauenden Permafrost, Verkehrswege gefährden?

Wissenschaft trifft Leben
An der Erarbeitung der Klimaszenarien war auch Professor David Bresch von der ETH Zürich beteiligt. «Mit den Klimaszenarien besteht nun eine solide Faktenbasis», ist sich Professor Bresch sicher. Darauf aufbauend könne in den kommenden Jahren zusammen mit öffentlichen und privaten Entscheidungsträgern der vorausschauende Umgang mit Wetter- und Klimarisiken vorangetrieben werden – mit besonderem Augenmerk auf die lokalen Gegebenheiten. Ein Sturm richtet beispielsweise vor allem dann grossen Schaden an, wenn er auf besiedeltes Gebiet oder auf Häuser trifft, die ihm nicht standhalten können. «Es geht deshalb darum, die Klimadaten mit der Lebenswirklichkeit abzugleichen – nur so sind Aussagen dazu möglich, wie sich Klimaveränderungen konkret auswirken können», so der Klimaforscher.

In seiner Forschung konzentriert sich Professor Bresch auf die Auswirkungen von Wetter und Klima auf sozioökonomische Systeme. Konkret geht er der Frage nach, was die Klimaveränderungen für unser alltägliches Leben bedeutet. In diesem Zusammenhang hat Bresch auch schon Risikoabschätzungen für die GVB vorgenommen.