Lagebericht 2019: «Wechsel an der Führungsspitze der GVB»

Verwaltungsratspräsident Reto Heiz und Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung, blicken auf ein hervorragendes Jahr der GVB Gruppe zurück. Dank des sehr guten Resultats kann den Kundinnen und Kunden der Gebäudeversicherung Bern (GVB) eine Überschussbeteiligung fürs Geschäftsjahrs 2019 und nachträglich sogar eine ausserordentliche für 2018 ausbezahlt werden. Für Ueli Winzenried war es das letzte Mal: Er hat wie geplant die GVB Ende Februar altershalber verlassen.

Wie beurteilen Sie das vergangene Geschäftsjahr der GVB Gruppe?
Ueli Winzenried:
Es war auf allen Ebenen ein sehr gutes Jahr. Wir hatten grosses Wetterglück und blieben von grösseren Schadensereignissen verschont, was sich in der verhältnismässig tiefen Gesamtschadenssumme bemerkbar macht. Diese fiel mit 84 Millionen Franken wesentlich tiefer aus als im Vorjahr (128,6 Millionen Franken). Zudem erholten sich die Kapitalmärkte deutlich. Das alles führte dazu, dass wir mit einem konsolidierten Gewinn von 14,7 Millionen Franken eines der besten Ergebnisse der letzten Jahre ausweisen können. 
Reto Heiz: Aufgrund des hervorragenden Geschäftsgangs hat der Verwaltungsrat der GVB bereits im Herbst 2019 entschieden, den gefällten Entscheid, für das Geschäftsjahr 2018 keine Überschussbeteiligung auszuzahlen, umzustossen. So konnten wir den Kundinnen und Kunden der GVB nachträglich eine Überschussbeteiligung in Höhe von 30 Millionen Franken (rund 15 Prozent Prämienreduktion) ausschütten. Diese wurde ihnen bereits auf die Jahresrechnung 2020 gutgeschrieben. Dank des hervorragenden Abschlusses konnte zudem per Ende 2019 eine weitere Rückstellung von 40 Millionen Franken gebildet werden.

Welche wichtigen Ereignisse prägten das Jahr 2019?
Ueli Winzenried:
Ein Meilenstein für die GVB und auch für die Stadt Bern war zweifellos der Erhalt der Baubewilligung für das Bauprojekt im Burgernziel. Diese familienfreundliche Überbauung im Brunnadern-Quartier mit rund 100 Wohnungen und Dienstleistungsflächen ist in vielen Belangen zukunftsweisend. Auch im Bereich der Digitalisierung hat die GVB Gruppe einen Schritt nach vorne gemacht: Neu können Kundinnen und Kunden Schäden einfach und unkompliziert komplett digital abwickeln und profitieren zugleich von einem kostenlosen Handwerkerservice. Aber auch für andere Anspruchsgruppen entwickeln wir laufend neue digitale Services wie die neu entwickelte App für Brandschutzkontrollen oder die Online-Plattform «Heureka Plus», über welche Fachplaner und Architekten die Möglichkeit haben, Brandschutznachweise selber digital zu erstellen.
Reto Heiz: Neue Prozesse und Produkte haben aber auch Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Neues Know-how muss aufgebaut, neue Teams müssen geschaffen oder aufgestockt werden. Aus diesem Grund hat sich die Anzahl interner Mitarbeitenden um 1 Prozent auf 242 erhöht.

Wie fällt die Jahresbilanz bei den Tochtergesellschaften aus?
Reto Heiz:
Sehr gut. Die GVB Privatversicherungen AG weist im Branchenvergleich weiterhin ein überdurchschnittliches Prämienwachstum aus. Zu den erfolgreichsten Produkten gehört nach wie vor die Erdbebenversicherung GVB Terra, unter anderem dank ihrer Bilanzschutzlösung für Banken. Auch die GVB Services AG entwickelt sich in einem umkämpften Markt weiterhin erfreulich. SafeT Swiss hat sich als Beratungsunternehmen in Brandschutzfragen hervorragend etabliert. Und auch Wetter-Alarm® erfreut sich mit 1,3 Millionen Benutzerinnen und Benutzern weiterhin einer hohen Beliebtheit. Mit der Online-Plattform hausinfo.ch unterstreicht die GVB Gruppe zudem ihre Kompetenz in Themenfeldern, die weit über das übliche Angebot einer Versicherung hinausgehen. 

Apropos Wetter: Wie 2018 gezeigt hat, können einzelne Wetterextreme riesige Auswirkungen auf das Ergebnis der GVB Gruppe haben. Was heisst dies in Bezug auf das Risikomanagement?
Ueli Winzenried:
Wir lassen die Schadenspotenziale periodisch durch Spezialisten überprüfen. Die für uns relevanten Risiken sind wegen des Klimawandels und der dadurch stetig grösser werdenden Naturgefahren weiter gestiegen. Das Sturmtief Burglind Anfang 2018 hat uns aber auch gezeigt, dass wir in der Lage sind, solche Grossereignisse zu bewältigen, und dass sich unser Rückversicherungskonzept bewährt.

«Wir sind sehr gut aufgestellt und bereit, die Herausforderungen anzunehmen und uns weiterzuentwickeln.»
  • Reto Heiz, Präsident des Verwaltungsrats der GVB

Letztes Jahr gab es einen Wechsel im Verwaltungsrat, nun kommt es an der Spitze der Geschäftsleitung der GVB zu einer Neubesetzung.
Reto Heiz:
Ueli Winzenried hat die GVB in den letzten zwei Jahrzehnten stark geprägt und auf dem Weg von einer Monopolversicherung zu einer modernen, agilen und leistungsfähigen Unternehmensgruppe begleitet, die sich vom Wettbewerb zu innovativen Lösungen inspirieren lässt. Wir bedanken uns bei ihm für seinen Einsatz, sein Engagement und das Vertrauen, das er dem Verwaltungsrat und den Mitarbeitenden der GVB während all der Jahre entgegengebracht hat. Für seine Zukunft wünschen wir ihm alles Gute. Mit Stefan Dürig, dem ehemaligen CEO bei der Post Immobilien Management und Services AG, konnte die Nachfolge mit einer erfahrenen Unternehmenspersönlichkeit sichergestellt werden. Wir freuen uns sehr auf die neue Zusammenarbeit. 

Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die vergangenen 20 Jahre zurück, Herr Winzenried?
Ueli Winzenried:
Wir sind in diesem Zeitraum eine kundenorientierte Unternehmensgruppe geworden. Es freut mich sehr, dass ich diesen Transformationsprozess anstossen und begleiten konnte. Die Agilität, die Dynamik und die Innovationskraft, welche die GVB Gruppe heute auszeichnen, beeindrucken mich. Sie kann jetzt schnell auf Markttrends reagieren und sich auch prospektiv verhalten, statt nur zu reagieren.

Wie war es, die operative Leitung zu übergeben?
Ueli Winzenried:
Dieser Schritt kam ja nicht ganz unerwartet. Ich konnte mich gut darauf vorbereiten. Es ist toll, die neue Crew am Ruder zu sehen und die Gewissheit zu haben, dass eine starke Basis für die Herausforderungen der Zukunft gelegt ist. Jetzt gilt es, das Unternehmen weiter zu formen, damit es den Kundinnen und Kunden auch in Zukunft einen kontinuierlichen Mehrwert bieten kann.

Welche Herausforderungen bringt die Zukunft, Herr Heiz?
Reto Heiz:
Wir müssen weiterhin in der Lage sein, die Digitalisierung so zu nutzen, dass wir den Kundinnen und Kunden bessere Dienstleistungen bieten können, bei denen gleichzeitig ein Effizienzgewinn resultiert. Wir müssen also innovativ bleiben und auch disruptive Lösungen finden. Letzteres bedeutet, dass wir auch bestehende Geschäftsmodelle hinterfragen müssen. Aber wir sind der Meinung, dass wir sehr gut aufgestellt und bereit sind, diese Herausforderungen anzunehmen und uns in diesem Umfeld weiterzuentwickeln.

«Die Agilität, die Dynamik und die Innovationskraft, welche die GVB Gruppe heute auszeichnen, beeindrucken mich.»
  • Ueli Winzenried, Vorsitzender der Geschäftsleitung GVB