Risikomanagement

Zur Natur des Versicherungsgeschäfts gehören vielfältige Risiken. Leistungsstarke Instrumente der Risikobewirtschaftung sind für eine Versicherung deshalb unabdingbar. Umfassende Methoden und Hilfsmittel im Risikomanagement bieten hier Sicherheit.

Als Versicherungsgesellschaft muss die Gebäudeversicherung Bern (GVB) besonders folgende Risikoarten beachten:

  • Strategische Risiken
  • Versicherungstechnische Risiken
  • Anlagerisiken
  • Operative Risiken und Compliance

Aufgaben und Kompetenzen im Bereich Risikomanagement sind professionell organisiert. Das Audit- und Risikokomitee des Verwaltungsrats setzt sich periodisch über alle wesentlichen Risiken ins Bild und analysiert die nötigen Massnahmen. Der Verwaltungsrat beurteilt vor dem Hintergrund einer systematischen Risikoeinschätzung die jeweils gegebene Risikofähigkeit. Der Leiter Finanzen der GVB ist zusammen mit der Geschäftsleitung für die Einhaltung und die Weiterentwicklung der Risikorichtlinien verantwortlich.

Die GVB hat den gesetzlichen Auftrag, alle Gebäude im Kanton Bern obligatorisch gegen Feuer- und Elementarrisiken zu versichern. Die GVB haftet vertraglich unbeschränkt für alle Schäden und leistet damit einen wichtigen volkswirtschaftlichen Beitrag. Diese Leitplanken der Geschäftstätigkeit schaffen gewisse strategische Risiken.

Der geografisch und sachlich eingegrenzte Versicherungsbereich führt zu einer Ballung von möglichen Gefahren (Kumulrisiken). Der Ausgleich mit anderen Regionen, die im Einzelfall von einem folgenschweren Unwetter verschont bleiben, ist nicht möglich. Aufgrund der häufigeren und immer heftigeren Unwetter und der damit stark steigenden Schäden werden die Schadenspotenziale gerade im Elementarbereich immer grösser. Die Risiken steigen noch zusätzlich, da vielerorts teuer und verdichtet gebaut wird.

Dank des seit 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Gebäudeversicherungsgesetzes (GVG) ist eine optimierte Risikodiversifikation möglich, indem über die Tochtergesellschaften GVB Privatversicherungen AG und GVB Services AG Versicherungsprodukte und Dienstleistungen rund ums Haus angeboten werden können.

Die GVB übernimmt auf Vertragsbasis die Risiken ihrer Kunden in den Bereichen Feuer- und Elementarschäden sowie teilweise bei Terror und Unruhen.

Da die GVB Risiken nicht nur versichern, sondern auch vermindern oder sogar verhindern möchte, kommt der Schadensverhütung (Prävention) sowie der Schadensbekämpfung (Intervention) eine wichtige Rolle zu. Die GVB hat deshalb unter anderem ein Faktenblatt mit Ratschlägen für Präventionsmassnahmen gegen Elementarschäden erarbeitet und gründete die Stiftung für Prävention und nicht versicherte Gebäudeschäden. Diese unterstützt Projekte von einzelnen oder zu Kollektiven zusammengeschlossenen Hauseigentümern, welche freiwillige Schutzmassnahmen ergreifen. Neben Präventivmassnahmen gegen Elementarschäden sind auch Massnahmen zur Erhöhung der Brandsicherheit ein zentrales Anliegen der GVB. Für die Prävention einerseits und die Intervention durch die Feuerwehr andererseits wendet sie jährlich über 36 Millionen Franken auf.

Durch Modellierung geschätztes Schadenspotenzial
Die gewaltigen Unwetter der vergangenen Jahre und das Sturmtief Burglind Anfang Januar 2018 haben gezeigt, dass Naturkatastrophen ein finanzielles Hauptrisiko für die GVB darstellen. Aus diesem Grund beobachtet die GVB den Klimawandel und lässt die möglichen Auswirkungen ungewöhnlicher Schadensfälle durch prospektive Modellierungen schätzen. Dabei können mögliche Gebäudeschäden durch Überflutung, Sturm sowie Hagel ermittelt werden.

Die letzte Studie erschien 2017 und wurde vom geowissenschaftlichen Büro geo7 und von der ETH Zürich durchgeführt und ausgewertet. Die Studie zeigte, dass ein Hochwasserereignis im Kanton Bern rund 700 Millionen Franken Gebäudeschäden verursachen könnte. Mehrere Elementarschäden im gleichen Jahr könnten sich sogar zu einer Schadenslast von 1,5 Milliarden Franken summieren, was statistisch als 250-Jahre-Ereignis bezeichnet werden kann. Die GVB muss ihre Rückstellungen und die Rückversicherungen auf solch extreme Szenarien ausrichten, um ihr unbeschränktes Leistungsversprechen jederzeit halten zu können. Die Studie berechnet jeweils basierend auf Schadensdaten aus früheren Jahren ein Extremszenario. In der neusten Studie kamen dabei neue Rechnungsmodelle zum Einsatz, mit denen noch genauere Prognosen möglich waren.

 

Rückversicherungen
Nach mehreren schadenarmen Jahren hat die GVB ihre Haftungssubstanz nachhaltig stärken können. Dies ermöglicht eine Ausrichtung des Rückversicherungsmodells auf die spezifische Risikolage im Kanton Bern, was den Kunden langfristig Vorteile verschafft.

Die GVB kauft sämtliche Rückversicherungsdienstleistungen am Markt ein. So sichert die GVB einen Teil ihres Risikos bei zahlreichen Rückversicherungspartnern mit mindestens Bonitätsnote «A» ab. Die Kapazität der Rückversicherung gewährleistet mit den versicherungstechnischen Rückstellungen die unbeschränkte Haftung der GVB gegenüber ihren Kunden.

Einen beträchtlichen Teil der Mittel zur Abdeckung ihrer Risiken hat die GVB in Wertschriften und Immobilien investiert. Dabei setzt sie gleichermassen auf Sicherheit und Rentabilität und berücksichtigt sowohl Markt-, Kredit-, Liquiditäts- als auch Klumpenrisiken in angemessener Weise. Die GVB diversifiziert ihre Portfolios breit und legt für jeden Vermögensverwalter und jedes Portfolio spezielle Anlagerichtlinien fest, die sich an den Anlagerichtlinien des Bundesgesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) orientieren. Diese breite Risikodiversifikation hat sich auch in stürmischen Börsenzeiten und volatilen Finanzmärkten wie im Geschäftsjahr 2018 bewährt.

Zwischen Überwachung und Vermögensverwaltung besteht eine strikte Trennung. Für das Controlling ist ein externer Partner zuständig, der direkt an den Verwaltungsrat berichtet. Der externe Partner ist dabei für die Performance, die Erreichung von Benchmarks, die Einhaltung der Anlagerichtlinien und die Angemessenheit der Verwaltungskosten zuständig.

Mit dem Swiss Solvency Test (SST) kann die Risikofähigkeit von Versicherungsgesellschaften bestimmt werden. Der Test beantwortet die Frage, ob der Versicherer mit ausreichender Sicherheit solvent bleibt und den Verpflichtungen gegenüber seinen Kunden nachkommen kann. Anhand eines analytischen Modells und aufgrund von Szenarien wird das dafür notwendige Kapital ermittelt und mit dem vorhandenen risikotragenden Kapital in Relation gesetzt. Daraus resultiert als Kennzahl der SST-Quotient. Dieses Modell ist ein zentrales Hilfsmittel der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA). Der SST soll das Risikobewusstsein der einzelnen Versicherungsgesellschaften fördern. Die versicherungstechnischen Risiken einerseits und die Anlage-, Zins- und Währungsrisiken andererseits werden entsprechend den Kriterien des SST untersucht. Die GVB hat dabei für das Berichtsjahr einen guten SST-Quotienten erzielt.

Die GVB unternimmt bei der jährlichen Finanzplanung zudem eine Selbstbeurteilung der Risikosituation und des Kapitalbedarfs (ORSA) gemäss dem FINMA-Rundschreiben 2016/3. Die Ergebnisse zeigen, dass auch nach den Stresstests eine der Risikosituation angepasste Kapitalisierung vorhanden ist.

Operative Risiken beinhalten die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder infolge von externen Ereignissen eintreten. Vor allem im Bereich der Informatik besteht ein grosser Sicherheitsbedarf. Aufgrund der Erkenntnisse aus Sicherheitsüberprüfungen sind als wirksam beurteilt worden:

  • Umfassendes Zonenkonzept mit Zutrittskontrolle
  • Regelung der Nutzung der IT-Infrastruktur sowie Weisungen zur Vertraulichkeit
  • Zentralisierte interne wie externe Datensicherung
  • Notfallkonzept mit Krisenstab
  • Schulung der Mitarbeitenden bezüglich IT-Sicherheit

Nach einem Elementarereignis wie dem Sturmtief Burglind Anfang 2018 erhält die GVB innerhalb kurzer Zeit eine grosse Anzahl Schadensmeldungen, die es zu bewältigen gilt. Das grosse Volumen an zu begutachtenden Schadensfällen führt dazu, dass die nebenamtlichen Schätzungsexperten ihren Beschäftigungsgrad von normalerweise 20 Prozent befristet erhöhen müssen. Grossereignisse betreffen in der Regel nicht das ganze Kantonsgebiet. Bei einer grossen Belastung einzelner Regionen besteht daher die Möglichkeit, mit Schätzungsexperten aus anderen Regionen für eine speditive Schadensabwicklung zu sorgen.

Die GVB verfügt über ein detailliertes Konzept zur Bewältigung von Grossereignissen. Die dort beschriebenen Szenarien und Vorgehensweisen werden im Rahmen von jährlichen Wiederholungskursen auch in schadenarmen Jahren thematisiert und geschult.

Der Umgang mit Risiken wird bei der GVB anhand eines internen Kontrollsystems (IKS) überwacht. Die Aufgabe des IKS besteht darin, das Unternehmensvermögen zu schützen, die Genauigkeit und die Zuverlässigkeit der Buchführung und der Finanzberichterstattung zu gewährleisten sowie die Einhaltung der Geschäftspolitik und der Gesetze zu sichern. Dazu werden vor allem Kontrollen in den Bereichen Finanzen, Prämieneinnahmen, Schadensabwicklung und -auszahlung sowie IT-Sicherheit (Datenmanipulation und kriminelle Handlungen) durchgeführt.

Die Funktionalität und die Wirksamkeit des internen Kontrollsystems und des Risikomanagements wird durch die interne Revision (extern besetzt) sichergestellt.